Rezension von Ernst Korn
"Wie und warum wir so waren? Erinnerungen an Damals - Schicksalsjahre 1925-1945"
Das Büchlein spannt einen Bogen über 20 Jahre eines jungen Lebens, die ihre frühe Grundlegung unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg in einem aufgezwungenen Staatswesen erfahren. Aus Demütigungen und einer Politik der Entgermanisierung geboren, lässt sich ein Lebenssinn für die Deutschen in den Ländern der einstigen Wenzelskrone nur im Zusammengehörigkeitsgefühl ihrer Volksgruppe erhoffen.
Die landläufigen Darstellungen des bedingenden historischen Geschehens und seine gerechte Wertung scheint heute in Halbwahrheiten und offenkundigen Verfälschungen zu ersticken. Der Autor wendet sich daher gegen Erklärungsklischees selbst ernannter geschichtspo-
litischer Allwissender, die genau darlegen, wie es eigentlich hätte sein müssen - ganz anders jedenfalls, als die Betroffenen es erlebt haben.
Der Verfasser urteilt objektiv aus der Zeit und aus eigenem Erleben, kann sich den Pauschalverurteilungen ganzer Wehrmachtsteile, der zu durchsichtigen Zwecken allgemei-
nen Verteufelung der Deutschen entgegenstellen.
Der geneigte Leser erfährt von Herkunft und Ursprung, über die persönliche Jugendlektüre und ihre Impulse zu Abenteuer und Tatendrang, aber auch von den Autonomie-
bestrebungen der Deutschen im Tschechenstaat, die in den sie diskriminierenden Tschechisierungsmaßnahmen, in Arbeitslosigkeit und einer Vielzahl von staatlichen Benachteiligungen auf allen Gebieten gründen.
Das erklärt auch die Begeisterung des Jungen für den Besuch einer Nationalpolitischen Erziehungsanstalt als Eliteschule des Dritten Reiches, die zwar im Geiste des NS-Systems organisiert und geführt wird, aber eine tolerante Haltung etwa gegenüber Kirche und Andersden-
kenden an den Tag legte sowie eine vielseitige wissenschaftliche und sportliche Ausbildung gewährleistete.
Die Meldung des Autors zur Waffen-SS hat auf Grund solcher Prämissen ihre Logik. Der Ehrenkodex dieser Waffengattung und ihr gefährlicher Einsatz im Frontdienst wie beim Schutz der Flüchtlingstrecks aus dem Osten widersprechen einem konstruierten Negativbild. Der Autor verwahrt sich dagegen, mit KZ-Bewachern auf eine Stufe gestellt zu werden. Freilich bedeutete der Zusammenbruch des Reiches eine für das weitere Leben prägende Seelennot, das Ende aller Ideale, zumal statt des erhofften Friedens für die Deutschen in Mitteleuropa tschechisches Morden und Vertreiben begannen und bis heute ungesühnt blieben.
Über den Rezensenten OStD Ernst Korn ist bei Google nachzulesen: Pädagoge, Schriftsteller, geb. 1927 in Neumarkt bei Marienbad/Egerland, Hauptschriftleiter des Erzieher- briefes der Arbeitsgemeinschaft Sudetendeutscher Lehrer und Erzieher |